Konfidenzintervalle verstehen
Jede Eaternity Forecast Prognose enthält ein Konfidenzintervall, das Ihnen hilft, den Bereich wahrscheinlicher Ergebnisse zu verstehen. Dieser Leitfaden erklärt, wie man diese Intervalle effektiv interpretiert und nutzt.
Was ist ein Konfidenzintervall?
Grundkonzept
Ein Konfidenzintervall zeigt den Bereich möglicher Werte für eine Prognose, nicht nur eine einzelne Zahl.
Beispiel:
Pasta Carbonara - Samstag, 20. Januar
Punktschaetzung: 52 Portionen
Konfidenzintervall: 45-59 Portionen (80% Konfidenz)
Interpretation:
- Am wahrscheinlichsten: 52 Portionen werden verkauft
- Untere Grenze: 45 Portionen (10% Chance, weniger zu verkaufen)
- Obere Grenze: 59 Portionen (10% Chance, mehr zu verkaufen)
- Wahrscheinlichkeit: 80% Chance, dass tatsächliche Verkäufe zwischen 45-59 liegen
Warum Konfidenzintervalle wichtig sind
Punktprognosen allein sind ungenuegend:
Betrachten Sie diese zwei Szenarien mit gleicher Punktschaetzung:
Szenario A: Hohe Konfidenz
Pasta Carbonara (stabiler Menuepunkt, 2 Jahre Historie):
Prognose: 52 Portionen
Bereich: 48-56 Portionen (eng, ±8% Varianz)
Konfidenz: Hoch
Szenario B: Niedrige Konfidenz
Neues Pilzrisotto (vor 1 Woche eingefuehrt):
Prognose: 52 Portionen
Bereich: 35-69 Portionen (weit, ±33% Varianz)
Konfidenz: Niedrig
Auswirkung auf Entscheidung:
- Szenario A: 52-54 Portionen zubereiten (hohes Vertrauen in Genauigkeit)
- Szenario B: Anfangs 40-45 Portionen zubereiten, Zutaten für mehr bereithalten (niedrige Konfidenz, hohe Unsicherheit)
Gleiche Punktschaetzung, sehr unterschiedliche Planungsstrategien.
Wie Konfidenzintervalle berechnet werden
Quantil-Regression
Eaternity Forecast verwendet Quantil-Regression, um drei Werte gleichzeitig vorherzusagen:
-
10. Perzentil (Untere Grenze)
- 10% der Zeit werden tatsächliche Verkäufe darunter liegen
- 90% der Zeit werden tatsächliche Verkäufe darauf oder darüber liegen
-
50. Perzentil (Median/Punktschaetzung)
- Die Hälfte der Zeit werden tatsächliche Verkäufe darunter liegen
- Die Hälfte der Zeit werden tatsächliche Verkäufe darüber liegen
- Das ist unsere "beste Schätzung"
-
90. Perzentil (Obere Grenze)
- 90% der Zeit werden tatsächliche Verkäufe darauf oder darunter liegen
- 10% der Zeit werden tatsächliche Verkäufe darüber hinausgehen
80% Konfidenzintervall = Bereich zwischen 10. und 90. Perzentil
Beispielberechnung
Historische Daten für Pasta Carbonara an Samstagen (letzte 20 Wochen):
Sortierte Verkaeufe: [42, 44, 46, 47, 48, 49, 50, 51, 51, 52, 53, 53, 54, 55, 56, 57, 58, 60, 62, 65]
10. Perzentil (2. Wert): 45 Portionen (untere Grenze)
50. Perzentil (10. Wert): 52 Portionen (Punktschaetzung)
90. Perzentil (18. Wert): 59 Portionen (obere Grenze)
Konfidenzintervall: 45-59 Portionen
Neuronales Netzwerk-Lernen:
Statt manueller Berechnung aus historischen Daten lernt das neuronale Netzwerk, diese Quantile direkt vorherzusagen, basierend auf:
- Historischen Verkaufsmustern
- Wochentag
- Wetterbedingungen
- Saisonalen Trends
- Aktueller Entwicklung
- Menüdynamik
Faktoren, die Konfidenz beeinflussen
Was macht Konfidenz hoch oder niedrig?
Hohe Konfidenz (Enge Intervalle)
Eigenschaften:
- ✅ Stabiler Menüpunkt (Monate/Jahre Historie)
- ✅ Konsistentes Bedarfsmuster
- ✅ Vorhersehbare Einflussfaktoren
- ✅ Geringe natürliche Variabilität
- ✅ Klare saisonale Muster (falls zutreffend)
Beispiel:
Hausbrot (taeglich serviert seit 3 Jahren):
Montag-Freitag: 85 Portionen (Bereich: 82-88, ±3,5%)
Samstag-Sonntag: 95 Portionen (Bereich: 91-99, ±4,2%)
Warum hohe Konfidenz?
- Tausende historische Datenpunkte
- Sehr konsistenter Bedarf
- Minimaler Einfluss externer Faktoren
- Vorhersehbares Wochenmuster
Niedrige Konfidenz (Weite Intervalle)
Eigenschaften:
- ⚠️ Neuer Menüpunkt (Tage/Wochen Historie)
- ⚠️ Hohe Bedarfsvariabilitaet
- ⚠️ Unvorhersehbare Einflussfaktoren
- ⚠️ Ereignis- oder aktionsgetrieben
- ⚠️ Saisonaler Artikel am Saisonbeginn/-ende
Beispiel:
Neues Saisonangebot (vor 1 Woche eingefuehrt):
Prognose: 35 Portionen
Bereich: 22-48 Portionen (±37%)
Warum niedrige Konfidenz?
- Nur 5-7 Tage Verkaufsdaten
- Unbekanntes Bedarfsmuster
- Unklar, wie Gaeste annehmen
- Begrenzte saisonale Historie
Konfidenzniveaus nach Artikelalter
Typische Konfidenzintervallbreite:
| Artikelalter | Datenpunkte | Typische KI-Breite | MAPE |
|---|---|---|---|
| Woche 1 (Neu) | 5-7 Tage | ±30-40% | 18-25% |
| Woche 2-3 | 10-20 Tage | ±20-30% | 14-18% |
| Monat 2-3 | 30-60 Tage | ±15-20% | 11-14% |
| 6+ Monate | 100+ Tage | ±10-15% | 9-12% |
| 2+ Jahre | 500+ Tage | ±8-12% | 8-10% |
Lernkurve: Konfidenz verbessert sich schnell im ersten Monat, stabilisiert sich nach 3-6 Monaten
Externe Faktoren
Wettereempfindlichkeit
Temperaturempfindliche Artikel:
Caesar Salad (wetterabhaengig):
Warmer Tag (20°C):
Prognose: 45 Portionen
Bereich: 42-48 Portionen (eng, Wetter vorhersehbar)
Kalter Tag (5°C):
Prognose: 28 Portionen
Bereich: 22-34 Portionen (weiter, mehr Variabilitaet)
Warum weiter bei Kaelte? Weniger Menschen bestellen Salate bei Kaelte, aber Variabilität ist höher (manche bestellen trotzdem, manche wechseln zu Suppe).
Ereigniseinfluss
Bekannte Ereignisse (höhere Konfidenz):
Regelmaessige monatliche Mitarbeiterversammlung (200 Teilnehmer):
Prognose: +180 Mittagessen
Bereich: +170 bis +190 (eng, Ereignis vorhersehbar)
Unbekannte Ereignisse (niedrigere Konfidenz):
Unangekuendigte Konferenz in der Naehe:
Prognose: Normales Tagesvolumen
Bereich: Weiter als ueblich (Modell spuert Unsicherheit)
Hinweis: Wenn Ereignis angekuendigt und ins System eingetragen, verbessert sich Konfidenz
Konfidenzintervalle für Entscheidungsfindung nutzen
Entscheidungsrahmen
Konservative Strategie (Abfall minimieren)
Wann verwenden:
- Teure Zutaten
- Kurze Haltbarkeit
- Hohe Entsorgungskosten
- Gelegentliche Ausfälle akzeptabel
Zubereitungsregel: Auf untere Grenze oder leicht darüber vorbereiten
Beispiel:
Frisches Fischspezial (18 EUR Kosten, 1 Tag Haltbarkeit):
Prognose: 28 Portionen
Bereich: 23-33 Portionen
Entscheidung: 25 Portionen zubereiten (zwischen unterer und Punktschaetzung)
- 90% sicher, dass wir mindestens 23 verkaufen
- Frischen Fisch fuer 8 weitere reservieren (Lieferant liefert 2x taeglich)
- Minimales Abfallrisiko
- Kleines Ausfallrisiko akzeptabel
Risikoprofil:
- Abfallrisiko: Niedrig (5-10%)
- Ausfallrisiko: Mittel (15-20%)
- Am besten für: Verderbliches, hochpreisige Artikel
Ausgewogene Strategie (Fokus auf Servicequalität)
Wann verwenden:
- Standard-Menüpunkte
- Moderate Kosten
- Etwas Zubereitungsflexibilitaet
- Ausfälle unerwuenscht aber handhabbar
Zubereitungsregel: Auf Punktschaetzung mit leichtem Puffer vorbereiten
Beispiel:
Pasta Carbonara (3,50 EUR Kosten, leicht mehr zuzubereiten):
Prognose: 52 Portionen
Bereich: 48-56 Portionen
Entscheidung: 52 Portionen anfangs zubereiten
- Zutaten fuer 6-8 weitere bereithalten
- Kann zusaetzliche in 15 Minuten zubereiten falls noetig
- Ausgewogenes Verhaeltnis Abfall vs. Servicequalitaet
Risikoprofil:
- Abfallrisiko: Mittel (10-15%)
- Ausfallrisiko: Niedrig (5-10%)
- Am besten für: Kern-Menüpunkte, moderate Kosten
Offensive Strategie (Nie ausverkauft)
Wann verwenden:
- Signaturgerichte
- Guenstige Zutaten
- Kritische Gästeerlebnis-Artikel
- Reste leicht weiterzuverwenden
Zubereitungsregel: Auf obere Grenze vorbereiten
Beispiel:
Hausbrot (0,50 EUR Kosten, Signaturartikel, 3 Tage Lagerung):
Prognose: 85 Portionen
Bereich: 82-88 Portionen
Entscheidung: 88 Portionen zubereiten (obere Grenze)
- Null Ausfallrisiko
- Minimale Abfallkosten (1,50-2,00 EUR)
- Kritisch fuer Gaesteerlebnis
- Reste fuer Personalessen oder naechsten Tag Paniermehl
Risikoprofil:
- Abfallrisiko: Hoeher (20-25%)
- Ausfallrisiko: Sehr niedrig (unter 2%)
- Am besten für: Guenstige, Signaturartikel
Pufferplanung
Feste Pufferstrategie
Konstanten Puffer zur Punktschaetzung addieren:
Zubereitung = Punktschaetzung + Fester Puffer
Beispiel (10% Puffer):
- Pasta Carbonara: 52 + 5 = 57 Portionen
- Caesar Salad: 31 + 3 = 34 Portionen
- Grilled Salmon: 28 + 3 = 31 Portionen
Vorteile: Einfach, konsistent Nachteile: Ignoriert Konfidenzvariationen zwischen Artikeln
Konfidenzbasierte Pufferstrategie
Puffer proportional zur Konfidenzintervallbreite:
Zubereitung = Punktschaetzung + (Intervallbreite × Pufferfaktor)
Artikel mit hoher Konfidenz (enges Intervall):
- Punkt: 52, Bereich: 48-56 (Breite: 8)
- Puffer: 8 × 0,25 = 2
- Zubereiten: 52 + 2 = 54 Portionen
Artikel mit niedriger Konfidenz (weites Intervall):
- Punkt: 35, Bereich: 22-48 (Breite: 26)
- Puffer: 26 × 0,25 = 6,5
- Zubereiten: 35 + 7 = 42 Portionen
Vorteile: Passt sich an Prognosegewissheit an Nachteile: Komplexere Berechnung
Obere-Grenze-Prozentsatz-Strategie
Zwischen Punktschaetzung und oberer Grenze vorbereiten:
Zubereitung = Punktschaetzung + (Obere - Punkt) × Prozentsatz
50%-Strategie (auf halbem Weg zwischen Punkt und Obergrenze):
- Pasta: 52 + (56 - 52) × 0,5 = 54 Portionen
- Risotto: 35 + (48 - 35) × 0,5 = 41,5 = 42 Portionen
75%-Strategie (naeher an Obergrenze):
- Pasta: 52 + (56 - 52) × 0,75 = 55 Portionen
- Risotto: 35 + (48 - 35) × 0,75 = 44,75 = 45 Portionen
Vorteile: Passt intuitiv an Konfidenz an Nachteile: Kann bei Artikeln mit niedriger Konfidenz übervorbeiten
Mehrere Faktoren kombinieren
Entscheidungsmatrix-Beispiel:
Artikel: Grilled Salmon
- Prognose: 28 Portionen (Bereich: 23-33)
- Kosten: Hoch (6 EUR Zutatenkosten)
- Haltbarkeit: 1 Tag
- Zubereitungsflexibilitaet: Niedrig (1 Stunde Vorlaufzeit noetig)
- Gaestewichtigkeit: Mittel
Entscheidungsprozess:
1. Hohe Kosten → tendiere zu unterer Grenze
2. Kurze Haltbarkeit → minimiere Abfallrisiko
3. Geringe Zubereitungsflexibilitaet → kann nicht einfach mehr machen
4. Mittlere Wichtigkeit → gewisses Ausfallrisiko akzeptabel
Finale Entscheidung: 26 Portionen zubereiten (leicht ueber unterer Grenze)
- 10% Ausfallrisiko akzeptieren
- Teuren Abfall minimieren
- Alternative anbieten erwaegen bei Ausfall
Artikel: Hauspasta
- Prognose: 52 Portionen (Bereich: 48-56)
- Kosten: Niedrig (1,50 EUR Zutatenkosten)
- Haltbarkeit: 2 Tage (Sauce), frische Pasta 3 Tage
- Zubereitungsflexibilitaet: Hoch (15 Min Zubereitungszeit)
- Gaestewichtigkeit: Hoch (Signaturgerich)
Entscheidungsprozess:
1. Niedrige Kosten → kann etwas Abfall verkraften
2. Laengere Haltbarkeit → Abfall weniger problematisch
3. Hohe Zubereitungsflexibilitaet → kann mehr machen wenn noetig
4. Hohe Wichtigkeit → Ausfaelle vermeiden
Finale Entscheidung: 54 Portionen zubereiten (ueber Punktschaetzung)
- Mit 52 beginnen, Zutaten fuer 6-8 weitere bereithalten
- Null Ausfalltoleranz fuer Signaturgericht
- Minimales finanzielles Risiko
Konfidenztrends interpretieren
Verbessernde Konfidenz (Engere Intervalle)
Gute Zeichen:
Neuer Menuepunkt - Pilzrisotto:
Woche 1: Prognose 22 (Bereich: 12-32, ±45%)
Woche 2: Prognose 25 (Bereich: 18-32, ±28%)
Woche 3: Prognose 27 (Bereich: 22-32, ±19%)
Woche 4: Prognose 28 (Bereich: 24-32, ±14%)
Was es bedeutet:
- Modell lernt das Bedarfsmuster
- Gästeakzeptanz stabilisiert sich
- Prognose wird zuverlaessiger
- Kann Zubereitungsvertrauen erhöhen
Sinkende Konfidenz (Weitere Intervalle)
Warnzeichen:
Etablierter Artikel - Caesar Salad:
Januar: Prognose 42 (Bereich: 39-45, ±7%)
Februar: Prognose 38 (Bereich: 32-44, ±16%)
Maerz: Prognose 35 (Bereich: 26-44, ±26%)
Mögliche Ursachen:
- Saisonaler Übergang (Winter→Frühling Salatbedarf variabel)
- Menüänderungen beeinflussen komplementaere Artikel
- Neue Konkurrenz in der Nähe
- Qualitäts- oder Rezeptänderungen
- Werbeaktivitaeten
Massnahmen:
- Betriebliche Änderungen untersuchen
- Auf externe Marktfaktoren prüfen
- Feedback ans Modell geben
- Vorübergehend konservativere Zubereitungsstrategie verwenden
Stabile Konfidenz
Idealer Zustand:
Kern-Menuepunkt - Pasta Carbonara (2 Jahre auf Karte):
Konsistentes Muster: Prognose ±10-12% Breite
- Montage: 45 (Bereich: 41-49)
- Mittwoche: 52 (Bereich: 48-56)
- Freitage: 68 (Bereich: 62-74)
- Samstage: 73 (Bereich: 67-79)
Was es bedeutet:
- Gut etabliertes Bedarfsmuster
- Vorhersehbares Gästeverhalten
- Zuverlaessig für Planung
- Minimale Überraschungen
Häufige Missverstaendnisse
Missverstaendnis 1: "Enge Intervalle bedeuten perfekte Prognosen"
Realitaet: Enge Intervalle bedeuten konsistente Muster, nicht garantierte Genauigkeit.
Beispiel:
Systematische Verschiebung noch nicht erkannt:
Historisches Muster: 50 Portionen/Tag (Bereich: 48-52)
Neue Konkurrenz eroeffnet → Tatsaechlicher Bedarf jetzt: 42 Portionen/Tag
Woche 1 nach Konkurrenz: Prognostiziert weiterhin 50 (48-52)
- Konfidenz hoch, aber Prognose falsch
- Modell hat neues Muster noch nicht gelernt
Woche 3 nach Konkurrenz: Prognostiziert 43 (40-46)
- An neue Basislinie angepasst
- Konfidenz wiederhergestellt
Lektion: Hohe Konfidenz spiegelt historische Konsistenz wider, nicht Immunitaet gegen Veränderung
Missverstaendnis 2: "Weite Intervalle bedeuten, das Modell raet"
Realitaet: Weite Intervalle spiegeln ehrlich echte Unsicherheit wider.
Beispiel:
Neuer Artikel, hochvariabler Bedarf:
- Tag 1: 15 verkauft
- Tag 2: 32 verkauft
- Tag 3: 21 verkauft
- Tag 4: 28 verkauft
- Tag 5: 19 verkauft
Tag 6 Prognose: 23 (Bereich: 15-31)
- Weiter Bereich spiegelt echte Variabilitaet wider
- Punktschaetzung (23) ist Durchschnitt der Daten
- Intervall kommuniziert Unsicherheit ehrlich
Lektion: Weite Intervalle sind wertvolle Informationen, kein Modellversagen
Missverstaendnis 3: "Ich sollte immer auf die Punktschaetzung vorbereiten"
Realitaet: Optimale Vorbereitung hängt von Kosten, Risiken und Geschaeftsprioritaeten ab.
Beispiel:
Zwei Artikel, gleiche Prognose:
Artikel A: Teures Seafood (12 EUR Kosten, 1 Tag Haltbarkeit)
Artikel B: Hauspasta (1,50 EUR Kosten, 2 Tage Haltbarkeit)
Beide: Prognose 30 (Bereich: 25-35)
Optimale Zubereitung:
- Artikel A: 27-28 Portionen (teuren Abfall minimieren)
- Artikel B: 32-33 Portionen (Ausfaelle vermeiden, niedrige Abfallkosten)
Lektion: Punktschaetzung + Konfidenzintervall + Geschaeftskontext zusammen verwenden
Missverstaendnis 4: "80% Konfidenz bedeutet 80% Genauigkeit"
Realitaet: 80% Konfidenz bedeutet 80% der Istwerte fallen in den Bereich.
Beispiel:
100 Prognosen mit 80% Konfidenzintervallen:
Erwartetes Ergebnis:
- 80 Prognosen: Istwert innerhalb [untere, obere]
- 10 Prognosen: Istwert unter unterer Grenze
- 10 Prognosen: Istwert ueber oberer Grenze
Das bedeutet NICHT:
- 80 Prognosen sind exakt richtig ❌
- 20 Prognosen sind voellig falsch ❌
Was es BEDEUTET:
- 80% der Zeit ist Vorbereitung im Bereich ausreichend ✅
- 10% der Zeit unerwartet niedriger Bedarf (weniger Abfall)
- 10% der Zeit unerwartet hoher Bedarf (moeglicher Ausfall)
Lektion: Konfidenzintervall bezieht sich auf Bereichsabdeckung, nicht Punktgenauigkeit
Praktische Beispiele
Beispiel 1: Wochenend-Brunch-Planung
Samstag Brunch - 20. Januar 2024
Eggs Benedict:
Prognose: 42 (Bereich: 36-48, ±14%)
Kosten: 3,20 EUR pro Portion
Zubereitungszeit: 20 Min Vorlauf
Haltbarkeit: Nur am gleichen Tag
Entscheidungsanalyse:
- Moderate Konfidenz (±14%)
- Moderate Kosten
- Etwas Zubereitungsflexibilitaet (kann mehr mitten im Service machen)
- Kurze Haltbarkeit (Abfall ist Totalverlust)
Strategie: Ausgewogen mit leichter Vorsicht
- Zubereiten: 40 Portionen anfangs
- Reserve: Zutaten fuer 10 weitere Portionen
- Beobachten: Verkaufsrate erste Stunde, mehr zubereiten falls noetig
Ergebnis: 44 verkauft
- Ausfallrisiko gemanagt: 4 weitere mitten im Service zubereitet
- Abfall: 0 Portionen
- Gaestezufriedenheit: Erhalten
Beispiel 2: Wochenplanung
Montag-Freitag Mittag - Pasta Carbonara
Historisches Konfidenzmuster:
Montag: 45 (42-48, hohe Konfidenz)
Dienstag: 52 (49-55, hohe Konfidenz)
Mittwoch: 52 (48-56, hohe Konfidenz)
Donnerstag: 55 (51-59, hohe Konfidenz)
Freitag: 68 (62-74, moderate Konfidenz)
Woechentlicher Zubereitungsplan:
Montag: 45 (engem Intervall vertrauen)
Dienstag: 53 (leichter Puffer, Wochenmittestabilitaet)
Mittwoch: 53 (wie Dienstag)
Donnerstag: 56 (leichter Puffer fuer Trend)
Freitag: 66 (konservativ, weiteres Intervall + Wochenende)
Wochen-Total: 273 Portionen (vs. reine Punktschaetzung: 272)
- Minimale Uebervorbereitung (1 Portion)
- Konfidenzinformierte taegliche Anpassungen
Beispiel 3: Besondere Ereignisbehandlung
Valentinstag - Bekanntes Ereignis
Romantisches Dinner-Spezial (2-Personen-Gericht):
Normaler Samstag: 15 Bestellungen (Bereich: 13-17)
Valentinstag-Samstag: 32 Bestellungen (Bereich: 26-38)
Konfidenzanalyse:
- Historische Valentinstagsdaten: 3 vorherige Jahre
- Konsistentes Muster: 2,0-2,2× normaler Samstag
- Moderate Intervallbreite (±19%) wegen Variabilitaet
Entscheidung:
- Zubereiten: 34 Bestellungen (68 Portionen)
- Ueber Punktschaetzung wegen:
• Hohes Gaestenttaeuschungsrisiko (romantischer Anlass)
• Niedrige Abfallkosten (kann Nach-Valentinstag-Rabatt anbieten)
• Historische Tendenz, Prognose am Valentinstag zu uebertreffen
Ergebnis: 36 Bestellungen verkauft
- Leichter Ausfall letzte 30 Minuten (2 Bestellungen verpasst)
- Gelernt: 36-38 fuer zukuenftige Valentinstage noetig
- Feedback ans Modell fuer naechstes Jahr gegeben
Fortgeschritten: Die Verteilung lesen
Schiefe verstehen
Symmetrische Verteilung:
Pasta Carbonara - Mittwoch:
Punktschaetzung: 52
Untere Grenze: 48 (Differenz: -4)
Obere Grenze: 56 (Differenz: +4)
Verteilung: Symmetrisch (gleicher Abstand vom Median)
Bedeutung: Gleich wahrscheinlich, ueber-/unterzuperformen
Rechtsschief Verteilung (Positive Schiefe):
Freitags-Fischspezial (wetterabhaengig):
Punktschaetzung: 28
Untere Grenze: 23 (Differenz: -5)
Obere Grenze: 37 (Differenz: +9)
Verteilung: Rechtsschief (laengerer Schwanz nach oben)
Bedeutung: Gelegentlich sehr hoher Bedarf (warme Wettertage)
Planung: Oberen Bereich mehr beruecksichtigen als unteren
Linksschief Verteilung (Negative Schiefe):
Saisonende-Salat:
Punktschaetzung: 35
Untere Grenze: 24 (Differenz: -11)
Obere Grenze: 40 (Differenz: +5)
Verteilung: Linksschief (laengerer Schwanz nach unten)
Bedeutung: Gelegentlich sehr niedriger Bedarf (Rueckgang beginnt)
Planung: Konservativ vorbereiten, Bedarf sinkt tendenziell
Änderungen der Verteilungsbreite
Stabil Eng (Ideal):
Wochen 1-4: Bereichsbreite 8-10 Portionen
→ Zuverlaessiger Bedarf, zuversichtlich planen
Engend (Gut):
Woche 1: Breite 20 Portionen
Woche 4: Breite 12 Portionen
→ Modell lernt, Vertrauen erhoehen
Weitend (Untersuchen):
Woche 1: Breite 8 Portionen
Woche 4: Breite 16 Portionen
→ Etwas aendert sich, vorsichtigere Planung
Volatil (Vorsicht):
Woche 1: Breite 12
Woche 2: Breite 22
Woche 3: Breite 10
Woche 4: Breite 18
→ Inkonsistente Muster, konservativen Ansatz verwenden
Siehe auch
- Leistungsstudie — Validierungs- und Kalibrierungsergebnisse
- Implementierungsleitfaden — Tägliche Workflow-Strategien
- KI-Architektur — Wie Quantil-Regression funktioniert
- Funktionen — Konfidenz in Dashboard und API nutzen